Montag, 28. Oktober 2013

Post No. 100 - Auszug aus dem neuen Jugendroman "Freisprung"

Wenn das kein gutes Omen ist: Für meinen nächsten Schnipsel aus dem neuen Jugendbuch Freisprung, schreibe ich gerade Post Nr. 100! #Trommelwirbel#

Hier ein kleiner Auszug - der Roman erscheint im November als e-book und Taschenbuchausgabe. Das Cover werde ich bald präsentieren.

#FREISPRUNG von #ManuelaTenglerAutorin


Er wollte nicht hören. Er wollte nur spüren, wie das Glas vibrierte unter dem Rhythmus der Musik, spüren, dass er lebte, dass er real war. Die perfekte Nacht sollte es sein, mit Nadine. Für sie wollte er sich ändern. Nur für sie.
Durch seine geschlossenen Lider schossen grelle Lichtfontänen der Musikanlage. Er umklammerte den Löffel, mit dem er die Olive aus seinem Drink gepult hatte. Kling. Kling. Der Löffel schlug im Takt des Beats gegen das Glas. Er schauderte – gleich, gleich…
Als der Schlagzeugwirbel einsetzte, hatte er vergessen, wo er war. Es gab nur ihn und diese geile Musik! Im Stakkato trommelte er mit dem Löffel gegen das Glas, bis es unter den immer heftiger werdenden Schlägen zerbrach. Irritiert, als käme er aus einer Trance zurück, öffnete er die Augen. Kleine, unregelmäßige Glasteilchen steckten in seinen Handflächen. Blut.
„Ist ja eklig!“, zischte Carola.
Willi drückte ihm ein Tuch in die Hand. „Geh dich saubermachen und cooldownen…“
„Es war so geil, Willi!“
„Lass gut sein für heute.“ Willis Pranke wies zur Rechten, wo ein schmaler, finsterer Gang zu den Waschräumen führte. Dahinter lag der Innenhof. Wie oft war er morgens dort aufgewacht und hatte sich gefragt, warum er nicht endlich tot wäre!
„Der hat doch einen Knall.“
Nadines Milchbubi. Da war sie wieder, diese Wut.
Er fühlte Willis Blick und nickte einlenkend. Versprochen hatte er es ihm, keinen Ärger zu machen. Darum war er heute Nacht hier. Zu zeigen, wie er das Leben meisterte. Oder das Leben ihn?

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